Knapp 30 Jugendarbeiter*innen aus ganz Südtirol folgten der Einladung, um ihre juristische und pädagogische Handlungskompetenz zu stärken. Die Veranstaltung legte den Fokus auf die Balance zwischen Vertrauen in die Jugendlichen und der Verantwortung der Fachkräfte.
Juristischer Input liefert Klarheit
Den Auftakt bildete der juristische Input von Rechtsanwalt Andreas Pircher, einem Experten auf diesem Gebiet. Er beleuchtete in zwei spannenden Blöcken die gesetzlichen Grundlagen und die Kernfragen der Aufsichtspflicht. Wie verhält sich die Aufsichtspflicht in einem freiwilligen Beziehungsangebot, welches die MOJA bietet, und wo gilt die rechtliche Pflicht, sich um den Schutz bestimmter Personen zu kümmern, wie es beispielsweise Eltern für ihre Kinder tun? Welche Haftungsrisiken müssen die Fachkräfte kennen? Welche Ereignisse müssen gemeldet werden?
Besonderes Augenmerk lag auf kritischen Situationen: Was ist bei Sachbeschädigung, Gewalt oder aggressivem Verhalten zu tun? Ein wichtiger Diskussionspunkt war der korrekte Umgang mit illegalen und gefährlichen Konsummitteln sowie die klare Abgrenzung der Rolle gegenüber Behörden und Staatsanwaltschaft. Die praktischen Fallbesprechungen veranschaulichten die theoretischen Inhalte und boten Raum für den wichtigen Austausch unter Kolleg*innen.
Von der Theorie zur pädagogischen Praxis
Nach einer gemeinsamen Mittagspause stand die konkrete pädagogische Praxis im Zentrum. Unter der Moderation von MOJA-Experte Ray Knecht wurden die theoretischen Erkenntnisse in die Auseinandersetzung mit der Realität der Arbeit im öffentlichen Raum übersetzt. Insbesondere wurde auf die Vereinbarkeit und die Grenzen zwischen juristischen Rahmenbedingungen und professioneller Haltung der Offenen Jugendarbeit eingegangen.
Die Teilnehmenden bearbeiteten in Kleingruppen insgesamt sechs diverse und herausfordernde Fallbeispiele, die typische, aber auch extreme Situationen der Mobilen Jugendarbeit abbildeten. Die Themen reichten von der Konfrontation mit Drogenkonsum über Aggression und Sachbeschädigung bis hin zu sensiblen Themen wie sexualisierte Gewalt und rechtsextremistischem Gedankengut. Ziel war es, gemeinsam Handlungsstrategien zu reflektieren und die Grenzen zwischen Vertrauen, Verantwortung und notwendigem Eingreifen zu schärfen.
Der Arbeitskreis endete mit einer kurzen Feedback-Runde und dem klaren Auftrag, die gewonnenen juristischen und pädagogischen Einsichten in die tägliche Arbeit, die außerhalb der Jugendzentren und -treffs stattfindet, zu integrieren.
Referierende und Workshopleiterinnen
Dr. Andreas Pircher, Rechtsanwalt (Anwaltssozietät Thurin, Zeller & Partners; Meran), Kompetenzen: Jugendstrafrecht, Schuldrecht, Personen und Familienrecht, Vertragsrecht, Verkehrsrecht und Schadenersatzrecht, Zwangsvollstreckungen
Ray Knecht, ehem. Leiter der mobilen Jugendarbeit Stadt Basel, heute Coach IAS/ Erlebnispädagoge FHL bei kopfstand.org, Dozent/Referent an verschieden Instituten im deutschsprachigen Raum, über 30 Jahre Erfahrung mit der Methode „Aufsuchende soziale Arbeit“
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