Amtsdirektor Konrad Pamer begrüßte die Anwesenden und hob in seinen Grußworten die Bedeutung von Schutzkonzepten als gemeinsames Anliegen der Jugendarbeit in Südtirol hervor. Der Schutz junger Menschen sei Ausdruck fachlicher Verantwortung und gelebter Prävention. Anschließend eröffnete die Kinder- und Jugendanwältin Daniela Höller die Veranstaltung mit einem Fachinput zu Kinderrechten und zum Schutz von Kindern und Jugendlichen.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung im Pfarrheim Bozen stand die Vorstellung des neu entwickelten Leitfadens zur Entwicklung von Schutzkonzepten für die Jugendarbeit in Südtirol samt den dazugehörigen Anhängen und Arbeitsmaterialien. Der Leitfaden wurde von den drei Dachverbänden in Zusammenarbeit mit Forum Prävention, der Kinder- und Jugendanwaltschaft, dem Jugendhaus Kassianeum und weiteren Fachpartner*innen entwickelt und vom Amt für Jugendarbeit gefördert. Vorgestellt wurde er von Verena Hafner (AGJD), Christiane Kofler (netz | Dachverband Offene Jugendarbeit) und Maria Lisa Maffei (Südtiroler Jugendring).
Mit Beschluss der Landesregierung und der Anpassung der Förderrichtlinien hat das Amt für Jugendarbeit die Einführung von Schutzkonzepten für Jugendeinrichtungen und Jugendorganisationen festgelegt. Die Umsetzung ist bis Ende 2027 verbindlich abzuschließen.
Den drei Dachverbänden ist es ein besonderes Anliegen, ihre Mitgliedsorganisationen bei der Entwicklung und Umsetzung individueller Schutzkonzepte bestmöglich zu begleiten. Die Strukturen, Angebote und Rahmenbedingungen der Mitglieder sind dabei sehr unterschiedlich: Sie reichen von großen Organisationen und Jugendeinrichtungen über verbandliche Jugendorganisationen bis hin zu ehrenamtlich geführten Jugendgruppen oder Ein-Personen-Betrieben. Auch die Angebote unterscheiden sich – von offenen Treffpunkten über Übernachtungsangebote bis hin zu Einzelberatungen. Entsprechend braucht es Schutzkonzepte, die auf die jeweilige Realität und die konkreten Bedürfnisse der Organisation abgestimmt sind.
Der Leitfaden sowie die begleitenden Materialien bieten dafür eine praxisnahe Orientierung und Unterstützung.
Viele Organisationen setzen bereits zahlreiche Maßnahmen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen um. Schutzkonzepte helfen dabei, diese bewusst zu machen, zu bündeln und verbindlich in den Strukturen der Organisation zu verankern. Die Dachverbände verstehen die Entwicklung von Schutzkonzepten als gemeinsamen Lern- und Entwicklungsprozess. Neben den bereitgestellten Unterlagen werden deshalb auch künftig Workshops, Informationsveranstaltungen und weitere Unterstützungsangebote organisiert, um die Mitgliedsorganisationen bei der Umsetzung zu begleiten und den fachlichen Austausch zu fördern.
Im anschließenden Fachinput von Forum Prävention sowie den Praxisberichten von Organisationen und Einrichtungen, die bereits erste Erfahrungen in der Entwicklung und Umsetzung von Schutzprozessen gesammelt haben, wurden zentrale Bausteine eines wirksamen Schutzkonzeptes vertieft. Im Mittelpunkt standen Themen wie Risikoanalyse, Prävention, Intervention und Handlungssicherheit. Darüber hinaus wurde aufgezeigt, wie Schutzkonzepte als langfristiger und kontinuierlicher Prozess nachhaltig in den Strukturen und im Alltag von Organisationen verankert werden können.
Ein besonderer Fokus lag auf der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen. Schutzkonzepte können nur dann wirksam sein, wenn junge Menschen aktiv einbezogen werden und gemeinsam Regeln, Abläufe und Formen des respektvollen Miteinanders mitgestalten. Ziel ist es, Räume zu schaffen, in denen sich alle jungen Menschen sicher, ernst genommen und willkommen fühlen.
Deutlich wurde, dass Schutzkonzepte Ausdruck einer gemeinsamen Haltung und Teil eines kontinuierlichen Prozesses sind. Sie tragen dazu bei, Grenzverletzungen vorzubeugen, Risiken frühzeitig zu erkennen und im Verdachtsfall verantwortungsvoll zu handeln. Gleichzeitig leisten sie einen wichtigen Beitrag dazu, Diskriminierung entgegenzuwirken, Aufmerksamkeit für mögliche Gefährdungen zu schaffen und eine Kultur des Hinschauens und Handelns zu fördern.
Jugendarbeit schafft Räume, in denen junge Menschen Vertrauen entwickeln, sich entfalten und Unterstützung erfahren können. Sie richtet sich an alle jungen Menschen und lebt von Offenheit, Respekt und Teilhabe. Umso wichtiger ist es, diese Räume bewusst und nachhaltig zu schützen. Mit der Einführung von Schutzkonzepten wird ein weiterer wichtiger Schritt gesetzt, um die Qualität, Sicherheit und Zugänglichkeit der Jugendarbeit in Südtirol langfristig zu stärken.
Die Dachverbände bedanken sich bei Forum Prävention, der Kinder- und Jugendanwaltschaft, Südtirols Katholischer Jugend, der Katholischen Jungschar Südtirol und dem Jugendbüro Passeier für ihre wertvollen Beiträge sowie bei allen Teilnehmenden für den engagierten Austausch und die gemeinsamen Impulse für eine verantwortungsvolle Jugendarbeit.