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Story  »  Fr, 03/04/2020

Nur Mut zur Bewerbung! Heute und in Zukunft.

Interview mit Fabian Platter, Leiter südtirolerjobs.it


JugendCoachingGiovani hat sich mit Fabian Platter, dem Leiter der Plattform südtirolerjobs.it unterhalten. Neben spannenden Bewerbungstipps und die optimale Nutzung der Jobbörse, haben wir über Veränderungen auf dem Südtiroler Arbeitsmarkt aufgrund der aktuellen “Corona-Krise“ gesprochen: Bewerbungsgespräche via Skype, die Zukunft des Home-Office und die Chancen für junge Menschen in der digitalen Welt.

Auch wenn Fabian Platter, geboren 1988 in Bozen und aufgewachsen in Brixen, seit seinen Studien im Bereich „Management & Recht“ und „International Business & Law“ in Innsbruck zu Hause ist, so ist er dennoch in seinem beruflichen Werdegang den Südtiroler Wurzeln treu geblieben. Mit der Plattform südtirolerjobs.it betreut und begleitet er seit 2015 den Südtiroler Arbeitsmarkt.

JugendCoachingGiovani: Seit wann gibt es das Portal südtirolerjobs.it und was unterscheidet es von anderen Jobbörsen?

Unsere Jobbörse gibt es seit 2015. Wir betreuen derzeit über 500 Südtiroler Arbeitgeber, die ganzjährig Ihre Stellenangebote bei uns ausschreiben. Dazu kommen circa 1.000 Kunden pro Jahr, die vereinzelt Stellenangebote ausschreiben. In den letzten 5 Jahren wurden über unser Portal über 30.000 Jobs veröffentlicht. Wir legen großen Wert auf die individuelle Präsentation der Unternehmen. Arbeitgeber können ihre Stellenangebote in der jeweiligen Corporate Identity ausschreiben und sich im eigenen Firmenprofil präsentieren. Bei der optimalen Präsentation auf unserer Jobplattform sind wir den Kunden dabei gerne behilflich.

JugendCoachingGiovani: Welche Funktionen sollte man kennen, um auf keinen Fall spannende Jobangebote zu verpassen?

Das wichtigste Feature ist unser „Jobfinder“, Einfach E-Mail-Adresse eintragen und die gewünschten Suchkriterien eingeben (Arbeitsort, Berufskategorie oder einen spezifischen Suchbegriff: z.B. Tischler oder Buchhaltung. Nach der Bestätigung bekommst du passende Stellenangebote täglich bequem in dein E-Mailpostfach geliefert. Völlig anonym und jederzeit kündbar mit nur einem Klick.

JugendCoachingGiovani: Können Jugendliche auf südtirolerjobs auch Lehrstellen, Praktika oder Sommerjobs finden? Welche Begriffe im Suchfeld bringen sie dabei zu diesen Stellenausschreibungen?

Dazu haben wir eigene Kategorien eingerichtet: Praktika, Ferialjobs und Nebenjobs und Lehrstellen. Man klickt also entweder direkt auf die Kategorien und wählt den gewünschten Filter oder gibt bei der Suche „Kellnerlehrling“ als Beispiel ein. Eine fundierte Ausbildung und erste Praxiserfahrung sind die Grundlagen für den Erfolg junger Menschen am Arbeitsmarkt. Wir unterstützen dies und bieten unsere Jobplattform für Unternehmen, um Lehrstellen, Praktika, Abschlussarbeiten und Sommerjobs kostenlos zu inserieren.

JugendCoachingGiovani: Auf eurer Seite ist das Datum der Publikation einer neuen Stelle ersichtlich, aber nicht immer die Deadline, welche für die Abgabe der Bewerbungsunterlagen gilt. Empfehlen Sie, auch noch nach drei Wochen ab Publikationsdatum eine Bewerbung zu verschicken oder wird das Stellenangebot automatisch von der Seite genommen, wenn das Unternehmen keine Mitarbeiter*innen mehr sucht?

Die Deadline - Bewerbungsfrist wird teilweise von den Unternehmen im Text des Stelleninserats angegeben. Erfahrungsgemäß werden die meisten Stellenangebote aber ohne Bewerbungsfrist ausgeschrieben. Natürlich kann man sich auch auf Stellen mit älterem Publikationsdatum bewerben. In diesen Fällen wurde die Stelle noch nicht besetzt, erfordert spezielle Fähigkeiten oder es war noch nicht der*die richtige Kandidat*in dabei. Sobald das Unternehmen die Stelle besetzt hat, wird das Stellenangebot deaktiviert.

JugendCoachingGiovani: Welche Tipps haben Sie für junge Menschen, welche sich auf ein Stellenangebot bewerben möchten, aber nicht alle der dort aufgelisteten Voraussetzungen (z.B. Erfahrung oder Sprachkenntnisse) hundertprozentig erfüllen?

Grundsätzlich rate ich zu Mut bei Bewerbungen! Für Berufseinsteiger*innen ist es schwieriger, alle Anforderungen voll zu erfüllen. Wie kann man sich aber entwickeln, wenn man die Herausforderung scheut und sich selbst nichts zutraut? Natürlich ist es schwierig, sich mit 18 Jahren auf Führungspositionen mit mehrjähriger Erfahrung zu bewerben. Allerdings bringen häufig auch ältere Kandiat*innen nicht alle Wunscheigenschaften mit und man hat als Nachwuchskraft durchaus eine Chance. Erfüllt man beispielsweise nur eine Voraussetzung nicht, nutze die Chance und bewirb dich trotzdem. Eventuell werden Weiterbildungen angeboten, wodurch du dich weiterbilden kannst. Deine Bereitschaft, Neues zu lernen, gibst du am besten im Anschreiben an.

JugendCoachingGiovani: Auf Ihrer Seite gibt es Tipps für Bewerbungsgespräche via Skype, damit man auch in “Corona-Zeiten“ Vorstellungsgespräche gut meistern kann. Empfehlen Sie, auch in dieser Zeit gezielte Bewerbungen bzw. Initiativbewerbungen zu verschicken, um ggf. bei zukünftigen Stellenausschreibungen berücksichtigt zu werden?

Ein klares Ja! Auch wenn vielerorts die Produktion vorübergehend stillsteht und Menschen im Home-Office arbeiten, ist es sinnvoll die Zeit für die Jobsuche zu nutzen. Bring deinen Lebenslauf auf Vordermann, recherchiere zu Jobs und Wunscharbeitgeber und verfasse Bewerbungsschreiben. Spätestens nach Abflachen der Krise werden wieder Arbeitskräfte gebraucht, gab es ja zuvor schon einen Mangel an qualifizierten Fachkräften. Bist du dann schon in der Pipeline, hast du einen Zeitvorteil. Bitte bleibe aber geduldig, sollte die Rückmeldung der Personaler*innen derzeit etwas auf sich warten lassen. Sobald du für das Online-Bewerbungsgespräch kontaktiert wirst gibt es hier unsere Tipps:

JugendCoachingGiovani: Viele Mitarbeiter*innen arbeiten im Moment von zuhause aus. Wie wird sich der Arbeitsmarkt verändern durch die aktuellen Entwicklungen rund um das Corona-Virus?

Die Corona-Krise hat der Arbeitswelt gezeigt, dass vorher Undenkbares doch möglich ist. So bieten z.B. Sportstudios ihre Sporteinheiten über das Internet an, Psycholog*innen kommunizieren mit ihren Klient*innen über Skype oder Bewerbungsgespräche finden online statt. Dies passiert aufgrund der Corona-Krise zwar notgedrungen, jedoch bietet diese Situation auch Chancen. Viele Mitarbeiter*innen hatten vorher noch keine Erfahrung mit Home-Office oder Videokonferenzen. Sie lernen den Umgang nun durch den Sprung ins kalte Wasser. Als größte Herausforderung durch die Corona-Krise sehe ich die Ungewissheit über die wirtschaftlichen Folgen und die damit verbundene Arbeitslosigkeit in einigen Branchen.

JugendCoachingGiovani: Wie sehen die Jobs der Zukunft aus? Kann man davon ausgehen, dass aufgrund von diesen Erfahrungen in Zukunft vermehrt Stellen geschaffen werden, welche mit Home-Office punkten?

Die Arbeitswelt, wie wir sie gekannt haben, hat sich schlagartig in die digitale Welt verlagert. Vermutlich werden Arbeitgeber zukünftig mehr Home-Office Möglichkeiten zur Verfügung stellen. Das neue Gesundheitsbewusstsein kann dazu führen, dass sich Mitarbeiter*innen nicht mehr erkältet in die Arbeit schleppen und zum Schutz der Kolleg*innen stattdessen von zu Hause aus arbeiten. Nichtsdestotrotz bleibt zu sagen, dass kein digitales Medium den persönlichen Kontakt und das Zusammenarbeiten im Büro ersetzen kann: Mimik, Gestik, Interaktion, Vertrauen etc. sind Faktoren, die mit digitalen Hilfsmitteln schwerer zu erreichen oder weniger verständlich sind. Mal eben die Arbeitskolleg*innen um eine kurze persönliche Meinung zu fragen ist von zu Hause aus schwierig. Das Home-Office hat positive und negative Auswirkungen auf den Arbeitsalltag. So berichten Arbeitnehmer*innen, dass sie sich im Home-Office besser konzentrieren können. Andere lassen sich zu Hause viel zu schnell ablenken. Home-Office-Möglichkeiten werden zunehmen, Arbeitgeber und Arbeitnehmer*innen freunden sich gerade mit dem System an. Nichtsdestotrotz ist Home-Office nichts für jeden, wenn man das Zusammenarbeiten in Gesellschaft schätzt.

JugendCoachingGiovani: Welche Chancen sehen Sie dabei für junge Menschen, welche sich zum Teil sehr geschickt in der digitalen Welt und sozialen Netzwerken bewegen?

Die Digitalisierung hält in fast allen Arbeitsbereichen Einzug. Auch Handwerker*innen arbeiten vermehrt mit Maschinen, Robotern oder programmieren das Werkstück. Generell ist ein versierter Umgang mit neuen Medien ein großer Vorteil im Berufsleben. Allerdings reicht es nicht, auf Facebook und Instagram aktiv zu sein. Vielmehr geht es um Problemlösungskompetenz mit Hilfe des Internets, Quellenkritik und die praktische Anwendung nützlicher Tools und Programmiersprachen. In der Schule bekommt man meist nur einen kleinen Einblick in die IT und den Umgang mit Medien. Diese Grundlagen und ein bisschen Eigeninteresse bilden aber eine solide Basis für Weiterbildung und einen erfolgreichen Einstieg in die Arbeitswelt. Über (kostenlose) Onlinekurse kannst du deiner Bewerbung bereits ein erstes Zertifikat beilegen und Programmiersprachen lernen, eine Homepage programmieren oder deine Unterlagen professionell designen.

JugendCoachingGiovani: Vielen Dank Herr Platter für das spannende Interview!