Stories & Presse

Story  »  Do, 05/11/2026

Plattform: Nähe & Distanz

Gut auf andere und auf mich schauen!


Wie viel Nähe braucht gute Beziehungsarbeit? Wann ist es wichtig, Grenzen zu setzen? Und wie gelingt es uns in der Offenen Jugendarbeit, für junge Menschen da zu sein, ohne dabei uns selbst zu vergessen?

Diesen und weiteren Fragen widmeten wir uns am Montag, 26. Oktober 2026, bei unserer Plattform der Offenen Jugendarbeit im Haus Goethe in Bozen. Gemeinsam mit Prof. Dr. Andreas Eylert-Schwarz beschäftigten wir uns einen Tag lang intensiv mit professioneller Beziehungsgestaltung, Nähe und Distanz sowie der eigenen Haltung als Jugendarbeiter*innen.

Nach einem gemütlichen Ankommen mit „Gipfeli“ starteten wir mit einem wertschätzenden Blick auf unsere eigenen Stärken und Ressourcen. Unter dem Motto „Unsere Diamanten“ wurde sichtbar gemacht, was uns in unserer Arbeit auszeichnet und was wir bereits an wertvollen Fähigkeiten und Erfahrungen mitbringen.

Beziehung ist die Basis – aber wie gestalten wir sie professionell?

In seinen fachlichen Impulsen verdeutlichte Andreas Eylert-Schwarz, wie zentral tragfähige Beziehungen für die Offene Jugendarbeit sind. Denn OJA lebt von Freiwilligkeit, Vertrauen, Kommunikation und der Begegnung auf Augenhöhe.

Dabei spielen drei grundlegende Haltungen eine wichtige Rolle: Echtheit, Wertschätzung und Empathie. Jugendliche brauchen authentische Bezugspersonen, die ihnen zuhören, sie ernst nehmen und sie in ihrer Selbstbestimmung stärken.

Gleichzeitig wurde deutlich: Gute Beziehungsarbeit bedeutet nicht, immer und überall verfügbar zu sein. Professionelle Distanz ist kein Widerspruch zu einer wertschätzenden Beziehung, sondern ein wichtiger Teil davon. Grenzen geben Orientierung, schaffen Sicherheit und schützen sowohl junge Menschen als auch Fachkräfte.

Nähe zulassen, Grenzen erkennen und gut für sich selbst sorgen

Besonders intensiv beschäftigten wir uns mit der Frage, wie sich Nähe und Distanz im Alltag der Jugendzentren zeigen. Wann wird aus Begleitung eine Überforderung? Wie gehen wir mit Erwartungen von Jugendlichen um? Wo liegen unsere persönlichen und professionellen Grenzen?

In den gemeinsamen Reflexions- und Ratsch-Runden wurden konkrete Erfahrungen aus der Praxis ausgetauscht, eigene Handlungsmuster hinterfragt und unterschiedliche Perspektiven gesammelt.

Dabei wurde deutlich, dass es nicht die eine richtige Balance zwischen Nähe und Distanz gibt. Jede Beziehung, jede Situation und jeder junge Mensch ist anders. Umso wichtiger sind eine bewusste professionelle Haltung, regelmäßige Selbstreflexion und die Möglichkeit, sich mit Kolleg*innen auszutauschen.

Ein wesentlicher Gedanke zog sich durch den Tag: Gut für andere sorgen können wir langfristig nur, wenn wir auch auf uns selbst achten. Die eigenen Bedürfnisse und Grenzen wahrzunehmen und ernst zu nehmen, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern Ausdruck professioneller Verantwortung.

Viele Gedanken und Impulse zum Mitnehmen

Zum Abschluss richteten wir den Blick noch einmal auf uns selbst: Was nehme ich aus diesem Tag mit? Was möchte ich in meinem Arbeitsalltag bewusster gestalten? Welche Erkenntnis soll mich weiterhin begleiten? Ein persönlicher Brief an uns selbst bot die Gelegenheit, die wichtigsten Gedanken festzuhalten.

Ein Satz aus dem Tag bringt das Thema besonders schön auf den Punkt:

„Nähe als Werkzeug, Distanz als Schutz, Reflexion als Wegweiser.“

Wir bedanken uns herzlich bei Prof. Dr. Andreas Eylert-Schwarz für die wertvollen fachlichen Impulse und bei allen Teilnehmenden für ihre Offenheit, das Vertrauen und den lebendigen Austausch.


Downloads

05/11/2026 plattform_naehe-distanz_oja_26.10.2026.pdf 1.8 MB herunterladen
05/11/2026 netz_info_26.10.pdf 1.6 MB herunterladen
05/11/2026 diskurs43_h2025_web.pdf 1.1 MB herunterladen
05/11/2026 interview_mehr_oder_minder_authentisch.pdf 226 KB herunterladen